Freiheit?!

30. April 2015  Positionen, Presse

Freiheit!?

Am Vormittag des 26.04.2015 trafen sich in der Familienbildungsstätte auf Einladung der LINKEN
OV Kirchheim Mitglieder dieser Partei und Gäste um zum Thema „Freiheit“ zu diskutieren und sich über verschiedene „Freiheitsbegriffe“ zu informieren. Als Referent wurde der Heidelberger Soziologe Dr. Wunder vom Versammlungsleiter Günther Albrecht begrüßt.


Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaat – Begriffe, die sich gegenseitig begrenzen aber auch ergänzen.
Die Diskussion des Begriffes „Freiheit“ ist noch immer in vollem Gange und wird je nach politischer Grundüberzeugung mit den verschiedensten Argumenten geführt. Einigkeit scheint darüber zu bestehen, dass sich Freiheit (wie auch Demokratie) selbst aufhebt, wenn sie
unbeschränkt gelebt und praktiziert wird. Freiheit bedarf des Schutzes durch Gesetze, die zB verhindern, dass Arbeitgeber die zugunsten der Arbeitnehmer erlassenen Gesetze missachten.
Ein Leben in Freiheit sei auch, bemerkte ein Teilnehmer, dann nicht möglich, wenn wirtschaftliche Strukturen herrschen, die Menschen zwingen, zu aller erst um das tägliche Brot zu kämpfen. Frei-heit herrscht auch dort nicht, wo Diktatoren sich „die Freiheit nehmen“ ein Staatswesen nach ihrem Gutdünken und zu ihrem alleinigen Vorteil zu schaffen. Karl Marx sieht die Freiheit als Beziehung
des Einzelnen zur Gesellschaft: „Erst in der Gemeinschaft mit Andern hat jedes Individuum die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden; erst in der Gemeinschaft wird also die persönliche Freiheit möglich“ sagte er.. Jeder brauche den Anderen, um er selbst zu sein.Erst der Bezug auf den Anderen ermögliche die eigene Selbstentfaltung. Diese Selbstentfaltung zum „totalen“, d.h. voll gesellschaftlichen Individuum sei das wesentliche Moment der Freiheit. Lenin wiederum möchte die Selbstentfaltung „steuern“ indem er dem Einzelnen eine Art fertiges Gerüst überstülpt, während Rosa Luxemburg (mit dem bekannten Zitat „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“). und auch Trotzki auf die Selbsterfahrung des Einzelnen zählen. Lenins Gedanken machten eine „Diktatur des Proletariats“ möglich, die zum „Stalinismus“ führte, der Trotzki das Leben kostete.
Ein weiterer Punkt in dieser anspruchsvollen Diskussion befasste sich mit den Beziehungen von Freiheit und Demokratie in den gegenwärtigen Staaten; speziell auch mit der „repräsentativen
Demokratie“ . Manche hätten noch gerne weiter diskutiert, aber der Fahrplan der Bundesbahn ließ dem Referenten nicht die „Freiheit“ dazu. Günther Albrecht bedankte sich bei Dr.Wunder sehr herzlich und der Schlußbeifall der Zuhörer zeigte, dass sich niemand über einen „vertanen“ Vormittag ärgerte.


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